Avenir Suisse: weniger Theorie und mehr Praxis

Die Schweizerische Vereinigung für einen starken Agrar- und Lebensmittelsektor (SALS) ist der Ansicht, dass die Ideen von Avenir Suisse veraltet und vom dogmatischen Ideal des Agrarfreihandels geprägt sind. Das ist schade, denn dieser Think-Tank könnte sich wichtigerer Probleme für die Zukunft der Schweiz annehmen, als sich als Experte der Land- und Ernährungswirtschaft zu versuchen.

Avenir Suisse hält an ihrer dogmatischen Vorstellung von Liberalisierung und Agrarfreihandel fest. Dabei räumen zahlreiche Experten und selbst das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) ein, dass der Markt Regeln und Rahmenbedingungen braucht, damit er gut funktionieren kann. Freihandel klappt nur auf dem Papier. Die SALS fordert Avenir Suisse dazu auf, Lösungen zu unterbreiten, welche zur Nachhaltigkeit der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen und näher an der Praxis liegen. Insbesondere bei der administrativen Vereinfachung wären konstruktive Vorschläge gefragt. Die einzige Idee welche Avenir Suisse dazu einfällt ist die Abschaffung der Schweizer Agrarpolitik.

Die Schweiz ist eine Hochlohninsel. Der Grenzschutz ist letztlich ein Lohnschutz. Die Schweizer Landwirtschaftsbetriebe können ihre Produktion nicht auslagern. Sie sind an den Standort Schweiz mit all seinen klimatischen, topografischen und strukturellen Besonderheiten gebunden, welche die Produktionskosten für Lebensmittel erhöhen. Avenir Suisse richtet ihre Überlegungen an rein finanziellen Grössen aus, ohne die externen Kosten zu berücksichtigen. Die SALS erinnert daran, dass das Stimmvolk in Sachen Ernährungssicherheit einen Verfassungsauftrag erteilt hat. Ein angemessener Grenzschutz für sensible Nahrungsmittel trägt zur Erreichung dieses Ziels bei und sorgt für die notwendige Widerstandsfähigkeit entlang der Produktions- und Verarbeitungskette.

2017 gab ein Schweizer Durchschnittshaushalt 15,7 % für Versicherungen und 6,3 % für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke aus. Die Gesundheitskosten steigen Jahr für Jahr und stellen für zahlreiche Haushalte eine erhebliche Belastung dar. Avenir Suisse könnte dieses Problem beispielsweise durch die Förderung einer verantwortungsvolleren Ernährung angehen. Diese Lösung hat den Vorteil, dass damit die von der Schweiz im Rahmen der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung eingegangenen Verpflichtungen umgesetzt würden. Doch vermutlich läuft diese Empfehlung den Interessen der grosszügigen, vorwiegend in der Pharma-, Versicherungs- und Finanzbranche aktiven Gönner von Avenir Suisse zuwider. Avenir Suisse hat schlicht kein Interesse an den 660'000 Arbeitsstellen und 86 Milliarden Franken Umsatz welche die gesamte Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft generiert. Somit disqualifiziert sich Avenir Suisse für die Zukunftsgestaltung von einem starken Standort Schweiz.

Auskunft: 
Hans Jörg Rüegsegger, Präsident SALS-Schweiz, Riggisberg, 079 393 87 50
David Rüetschi, Generalsekretär SALS-Schweiz, Lausanne, 079 677 82 12

Freitag, den 7. September 2018